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Europäer fragen ...

Ich interessiere mich für Indianer und würde gerne Kontakt zu Indianern haben. Aber wie?

Das beste ist natürlich, in die USA oder Kanada zu reisen und dort persönliche Kontakte zu knüpfen. Auch Indianer haben die Zeichen der Zeit erkannt und somit gibt es durchaus einige, die im nicht unerheblich umsatzträchtigen Tourismus-Geschäft mehr oder weniger erfolgreich mitmischen. Und damit meine ich nicht nur die unterschiedlichsten Reiseveranstalter sondern durchaus auch diejenigen Indianer, die z.B. für Museen oder andere, zum Teil rein privat organisierte Ausstellungen und Präsentationen Besucher über die verschiedenen indianischen Kulturen und auch ihre Sichtweise bezüglich der Geschichte aufklären (hier mal ein paar Anregungen), oder aber indianische Künstler wie Maler, Bildhauer, Musiker, Tänzer, Komiker und Schauspieler. Diese Personenkreise haben immerhin auch ein Interesse daran, mit nicht-indianischen Menschen in Kontakt zu kommen, da sie dadurch schließlich ihre “Produkte” an den Mann bringen können. Indianische Privatpersonen, die ihre Existenz nicht auf den Kontakt zu “Touristen” aufgebaut haben, sind da oftmals deutlich zurückhaltender, jedoch bieten z.B. die unterschiedlichen sozialen Netzwerke durchaus auch hier Kontaktmöglichkeiten. Ob dadurch immer auch wahre Freundschaften geknüpft werden können, ist zwar fraglich, aber das liegt an der Natur der sozialen Netzwerke und nicht an der Tatsache, ob jemand Indianer ist oder nicht.

 

Wie spreche ich einen Indianer denn überhaupt an?

Es gibt gerade im englischen Sprachgebrauch die unterschiedlichsten Bezeichnungen, welche mehr oder weniger gerne benutzt/gehört werden. Verwendet man in Kanada meist “First Nation” oder “First Nation People”, so sind in den USA die Ausdrücke “Native American” oder “Native” wohl am gebräuchlichsten. Aber auch “Indian” wird durchaus benutzt und dabei - ganz im Gegensatz zu so manch einer Lehrbuchmeinung - nicht unbedingt als Beleidigung verstanden (siehe auch hier). Es empfiehlt sich jedoch, den Gesprächspartner einfach mal zu fragen, welche Bezeichnung er/sie bevorzugt, dann kommt es auf gar keinen Fall zu Spannungen.

 

Ich höre so oft "Indianer soll man mit Respekt behandeln". Was bedeutet das denn?

Zunächst mal ist es, wie es im Umgang mit jedem anderen Menschen auch sein sollte: Behandele ihn/sie so, wie Du selbst behandelt werden möchtest. Allerdings kommt es gerade bei dem gegenseitigen Umgang auch häufig zu Missverständnissen. Was für den einen einfach nur "Interesse an der Person als solche" ist, empfindet der andere vielleicht als unhöflich aufdringlich. Wenn jemand auf eine Frage einfach gar nichts sagt, empfindet der eine das vielleicht als Ignoranz, für den anderen hätte eine ablehnende Antwort aber vielleicht eine Unhöflichkeit dem Fragenden gegenüber bedeutet, die durch bloßes Gar-Nicht-Antworten in seinen Augen nun höflich vermieden wurde.

Deshalb hier mal ein paar Dinge, die von Indianern schnell als störend empfunden werden:

Die Frage nach der Bedeutung des indianischen Namens:

Es gab Zeiten, da wurde den Indianern alles genommen, was sie hatten, angefangen von ihrem Lebensraum über die Lebensgrundlage bis hin zu ihren Traditionen inklusive der Sprache. Kinder wurden in Schulen gesteckt, wo sie "erzogen" werden sollten, wo aber das bloße Sprechen in ihrer Muttersprache schon harte Strafen nach sich zog. Tänze und Zeremonien waren verpönt und wurden (ebenfalls unter Strafandrohung) verboten. Selbst ihre Namen durften sie eigentlich nicht behalten, vielmehr gab man ihnen einfach einen anderen, englischen Namen und vergaß nach Möglichkeit den Rest. Nur im ursprünglichen Familienverbund wurden diese Namen geheim bewahrt, denn diese Namen waren alles, was sie noch besaßen. ... Und dann tauchen später Bezeichnungen indianischen Ursprungs auf als Namen für Baseballteams, Automarken, Computerserver u.ä. oder gar als Codename für eine Militäraktion. Um die ursprünglichen Träger dieser Namen zu ehren? Oder vielmehr aus Gedankenlosigkeit oder gar dem Willen, ihnen auch noch den Namen zu nehmen?

Nicht alle Indianer haben ein Problem damit, ihren indianischen Namen auch Außenstehenden zu nennen. Aber es gibt durchaus einige, die zumindest die Bedeutung des Namens lieber für sich behalten möchten, oder es gegebenenfalls gar nicht gerne haben, wenn dieser indianische Name von Nicht-Indianern auch nur ausgesprochen wird. Wird solch ein Indianer aber nun nach der Bedeutung seines Namens gefragt, wie soll er dann höflich bleiben ohne die Frage zu beantworten? Deshalb empfiehlt es sich, die Frage nach dem Namen oder gar dessen Bedeutung gar nicht erst zu stellen. Menschen anderer kultureller Herkunft, wie z.B. Afrikaner, Araber, Asiaten oder auch Europäer werden doch normaler Weise auch nicht nach der Bedeutung ihres Namens gefragt. Möchte ein Indianer die Bedeutung seines Namens offenlegen, wird er dies schon von alleine tun.

Überhaupt, wenn ich so überlege, was Europäer gerne mal in eine indianische Sprache übersetzt hätten, wonach wird dann meistens gefragt? Nach Worten wie “Grosser Bär”, “Einsamer Wolf” oder “Starker Krieger”. Sollte man nicht lieber zuerst mal fragen, was z.B. “Bitte” oder “Danke” bedeutet?

Das "Nachspielen" indianischer Traditionen:

Unbestritten geht gerade hier in Europa eine ungeheure Faszination von allem aus, was irgendwie "indianisch" klingt. Die wenigsten dieser "Indianerbegeisterten" wollen mit ihrer Begeisterung die Gefühle eines Indianers verletzen oder ihn gar beleidigen. Aber fragen sich diese "Indianerbegeisterten" dann auch, wie sich ein Indianer fühlt, wenn er einen Nicht-Indianer z.B. in Kleidung oder mit Accessoires sieht, die man sich traditionell eigentlich erst durch besondere Leistungen verdienen musste, die sich dieser Nicht-Indianer aber nun einfach selbst angefertigt hat, weil es diese Gegenstände hübsch fand?

Sicherlich gibt es ganz viele indianerbegeisterte Nicht-Indianer, die solche Dinge mit viel Bedacht und Respekt gegenüber den alten Traditionen anfertigen und benutzen. Aber leider ist auch schon viel Missbrauch auf diesem Gebiet begangen worden, so dass es heutzutage auch vielen Indianern negativ aufstößt, Nicht-Indianer in indianischer Tracht zu sehen. Erst recht, wenn sie dann aus Unwissenheit Dinge für Zwecke benutzen, für die sie traditionell nicht vorgesehen sind, oder aber toll ausgestattet daherkommen, ohne zu wissen, was diese Ausstattung für einen in seinen Traditionen verhafteten Indianer bedeutet.

Nichtbeachten der Unterschiede zwischen den einzelnen Nationen:

Dadurch, dass das hiesige Indianerbild noch immer sehr von der Filmindustrie beeinflusst ist, wird oftmals vergessen, dass es ausser den in den Filmen meist dargestellten Prärie-Indianern, allen voran den Lakota, auch noch viele andere Nationen gab und gibt, die es nicht gerne sehen, wenn alle Indianer über einen Kamm geschoren werden. Und das fängt oftmals schon bei der Sprache an. Durch den unbestritten hohen Bekanntheitsgrad der Lakota hegen viele Indianerbegeisterte den Wunsch, auch deren Sprache zu erlernen. Dadurch gilt diese Sprache aber in vielen europäischen Köpfen schon so sehr als Standard, dass sie schon als DIE indianische Sprache schlechthin betrachtet wird. Und Fragen wie "Wie heißt dies und das auf ´indianisch´?" eigentlich meinen "Wie heißt dies und das auf Lakota?"

Unsachgemäße Verwendung von Ausdrücken einer indianischen Sprache:

Ganz beliebt ist der Ausdruck "Mitakuye Oyasin" als "indianischer Gruß" zwischen Nicht-Indianern der unterschiedlichsten Gruppierungen. Dabei wird jedoch vergessen, dass es zum einen, wie bereits oben erwähnt, gar keine einheitliche "indianische Sprache" gibt sondern dieser Ausdruck aus dem Lakota stammt, und zum anderen dieser Ausdruck von Lakotas nicht als solch eine allgemeine Grußformel sondern in einem ganz anderen Zusammenhang benutzt wird, und zwar als eine Art Gebetsabschluss ähnlich dem christlichen “Amen”.

Sicherlich gibt es auch durchaus liberale Lakota, die dies nicht wirklich als Problem ansehen, andere Lakota jedoch fühlen sich durch solch einen Ausdruck an für sie völlig unangebrachter Stelle ernsthaft verletzt. Deshalb halte ich an dieser Stelle respektvolles Schweigen für weitaus angebrachter als ein solcher “Gruss”, mag er auch noch so gut gemeint sein.

Nichtbeachtung des Mindestabstandes:

Befinden sich Indianer in Deutschland werden sie oftmals von Indianerbegeisterten regelrecht belagert und es ist gerade für Indianer, die Präsentationen der unterschiedlichsten Art anbieten, schwer, sich auch mal - und sei es nur für ein paar Minuten -  in Ruhe zurückzuziehen und gegebenenfalls auf die nächste Präsentation entsprechend vorzubereiten.

Aber auch die Fragen und Anliegen der Indianerbegeisterten sind oftmals nahe an der Grenze zur Indiskretion (und manchmal auch darüber hinaus), denn auch, wenn ein Indianerbegeisterter unheimlich gerne alles ganz genau wissen möchte, so ist der ihm gegenüberstehende Indianer doch immer noch ein Mensch mit allem Recht der Welt auf Privatsphäre.

 

Und damit sind wir auch prompt bei dem nächsten Punkt:
Ich fühle mich von der “Spiritualität” der Indianer inspiriert und möchte gerne mehr darüber erfahren.

... am besten gleich in Workshops oder Seminaren, die irgendwelche “echt indianischen Schamanen” hier in Europa gleich inklusive der unterschiedlichen “echt indianischen Zeremonien” für viel Geld anbieten. ... Klingt irgendwie sarkastisch? Genau! Dann haben wir uns ja verstanden, lieber Leser.

Spiritualität ist eine sehr private Angelegenheit und sollte dementsprechend auch mit äußerstem Fingerspitzengefühl und Respekt behandelt werden. Eine allgemein gültige "indianische" Spiritualität gibt es ausserdem überhaupt nicht. Jede einzelne der mehreren hundert verschiedenen Nationen hat ihre eigene, ganz individuelle Spiritualität mit von Nation zu Nation unterschiedlichen Bräuchen und Zeremonien. Manche dieser Bräuche und/oder Zeremonien mögen sich vielleicht ähneln, jedoch gibt es trotzdem immer wieder - für den Laien oftmals kaum wahrnehmbare - Unterschiede. Aber selbst innerhalb einer Nation ist die eigentliche Spiritualität sehr individuell und personenabhängig. Indianer, die tief in Ihren Traditionen verwurzelt sind, wachsen mit diesen unterschiedlichen Bräuchen und Zeremonien auf. Menschen eines anderen Kulturkreises können deshalb meist nur sehr oberflächlich und auch das nur durch immer wiederkehrende intensive Kontakte mit solch tief verwurzelten Indianern mal einen kleinen Einblick in diese Welt der Spiritualität erlangen.

Grundsätzlich ist es natürlich jedem selbst überlassen, nach welchen philosophischen Grundsätzen man sein Leben ausrichten möchte. Es schadet aber bestimmt nicht, sich auch ab und zu mal zu fragen, ob die Personen, die solche Workshops und/oder Seminare anbieten,  nicht einfach nur des öfteren einen recht blumenreichen Lebenslauf ihr eigen nennen, das, was sie vermitteln jedoch mehr ihrem eigenen Geldbeutel als dem Seelenheil ihrer Zuhörer dient. Schließlich gab es Zeiten, wo diese Bräuche und Zeremonien nicht nur verpönt sondern ihre Praktizierung absolut verboten war. Warum also sollte ein traditionell verwurzelter Indianer nun versuchen, aussenstehende in diese Bräuche und Zeremonien einzuweihen? Doch wohl eher aus monetären als aus spirituellen Gründen, oder? ... Mal ganz davon abgesehen, dass manche Zeremonien, wenn sie denn nicht tatsächlich genau nach althergebrachten Traditionen ausgeführt werden, sogar körperlichen Schaden anrichten können. Da hilft es dann auch nichts, wenn sich der Anbieter solcher Workshops, Seminare oder Zeremonien “Schamane” nennt und vorgibt, jahrelang bei einem “echt indianischen Medizinmann” in diesen Dingen unterrichtet worden zu sein. Da "Schamane" kein geschützter Begriff ist, darf sich leider jeder so nennen, der sich dazu berufen fühlt. Über die Qualität des Angebotes gibt diese Bezeichnung alleine keinerlei Auskunft. Bezüglich Zeremonien nach indianischen Traditionen lässt sich allerdings sagen, dass sich ein traditionell verwurzelter Indianer NIEMALS "Schamane" oder in der englischen Form "Shaman" nennen würde. Das tun eher die Personen, die Zeremonien nach angeblich indianischen Traditionen anbieten, bei denen jedoch die eigenen wirtschaftlichen Interessen weit mehr im Vordergrund stehen als das tatsächliche Seelenheil ihrer Zuhörer.

 

 

Fortsetzung folgt...

 

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